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Erkletterung der Zsigmondyspitze (3089m) von vier Mitgliedern der Sektion Neuburg

04.08.2017 - 06.08.2017

Die Tour zeichnet sich durch griffige und schöne Kletterei im II und III Grad und tollen Panoramen aus. Der Stützpunkt der Tour war die Berliner Hütte auf 2044 m.

Die komplette Tour wird mit AD- als „ziemlich schwierig“ eingestuft. Bei nassen Verhältnissen und unsicherer Wetterlage durchaus passend.

Die 350m lange Route als solche führt über den Sügrat und die Südseite des kecken Felshorns auf den 3089 m hohen Gipfel.

Los ging es am Freitag um 8:00 Uhr in Ingolstadt für Stephan, unser Tourenführer, Norbert, Florian und mich. Während der Hinfahrt wird die fahrende Festung der Sektion ausgiebig gelobt.

Der Bus wird von uns am Parkplatz des Gasthofs Breitlahenr auf 1257 m stehengelassen.

Der Talort Ginzling liegt auf 985 m

Beim Anmarsch über die Klausenalm (1301 m) fallen uns einige schöne Blöcke auf, welche zum erstklassigen Bouldergebiet des Zillertals gehören.

Weiter geht es vorbei an der Grawandalm (1704 m), dem Zemmbachstausee über die Alpenrosenhütter (1878 m) bis zur Berliner Hütte.

Nachdem wir unser Lager bezogen ist vertreten wir uns mit Kameras und Fernglas im Anschlag noch etwas die Beine.

Beim Abendesssen zeitgt uns der liebe Petrus dann auch was der Wetterbericht versprochen hat. Es gibt ein heftiges Unwetter mit starkem Hagel. Der Zemmbach schwillt zu einem reissenden Strom an und uns wird klar, dass wir auf keinen Fall ein Unwetter am Samstag brauchen können.

Mehrmals bricht die Stromversorgung zusammen. Der guten Stimmung tut es keinen Abbruch. Einzig manche Essenbestellungen werden vergessen. 

Wir erarbeiten uns einen sinnvollen Zeitplan und legen uns schlafen. Das be(un)ruhigende Rauschen des Zemmbachs singt uns in den Schlaf.

Am Samstag ist die Nacht für uns um 3:15 Uhr zuende. Um 4:00 Uhr wollen wir aufbrechen um gegen 7:00 Uhr am Fuße des Feldkopfs (Name der Zsigmondyspitze vor ihrer Erstbesteigung).

Im Schein unserer Stirnlampen geht es am Schwarz- und Eissee vorbei über zeit- und kräftzehrendes Blockgelände.

Die Niederschläge der vergangenen Nacht sind erkennbar, es wird aber trockener mit jedem Höhenmeter den wir aufsteigen.

Spätestens als wir den Anseilpunkt erreichen sind wir im Bann dieses „überhängenden und ohne Übertreibung unersteigerlichen Horns“. So zumindest beschrieb Ferdinand Löwl die Feldkopf vor ca. 150 Jahren. Seinen Aussage stachelte die „Scheckmondi-Buam“ Emil und Otto Zsigmondy umso mehr an es 1879 zu versuchen. Bei Ihrem ersten Erkundungstag gelang Ihnen die Erstbesteigung bei wiedrigen Verhältnissen ohne August Böhm.

Als Erstes steigt Stephan in den Blockgrat ein um für die erste Seillänge ein Fixseil einzurichten. Florian und ich folgen mit Kurzprusik gesichert, während Norbert als Seilletzter nachsteigt.

Die Kletterei geht trotz oder gerade wegen viel Luft unter den Bergstiefeln gut von der Hand. Der Südgrat is dank der wärmenden Sonne und des Teils scharfen Winds gut abgetrocknet.

Die weiteren Seillängen bringen wir in gleicher Reihenfolge und Arbeitsweise hinter uns.

Auf dem breiten Band wechseln Florian und ich uns Kurz ab, da ich mit einer nassen und schmierigen Platte etwas ratlos da stehe. Zu unserem großen Schreick rutscht Florian auf dieser Platte aus und landet katzengleich auf seinen Füßen. Außer zittrigen Beinen und einem kleinen Kratzer an der Hand ist aber alles gut gegangen.

Am dritten Stand nach ca. der Hälfte der Stecke beschließet Stephan die Tour abzubrechen. Zu weit liegen wir hinter unserem Zeitplan und der Wetterbericht verheisst nichts gutes.

Wir queren das Band zurück und machen uns an den Abstieg. Norbert klettert als Erster ab, Florian und ich folgen wieder am Fixseil. Stephan klettert das Gelände ab. Die lezte Seillänge seilen wir einer nach dem anderen ab.

Zurück durchs Blockgelände zeigt Florian uns den Weg. Hin und wieder beobachten wir die Seilschaften und hoffen auf das Wetter.

Auf der Hütte angekommen gönnen wir uns eine kleine Stärkung und ein Nickerchen.

Dieses Endet leider viel zu früh, da wir von zwei Studenten (Preissen) gestört werden, die miteinquartiert werden. Kurz darauf bekommen wir noch einen Preis mit aufs Zimmer gelegt. 

Auf den Schreck gehen wir erst einmal wieder etwas essen und tauschen uns über die Tour aus.

Bei vorgerückter Stunde siedeln wir in den großen Hauptsaal um wo ein anderer Wanderer auf der Ziahgan aufspielt. Bei guter Musik und Stimmung lassen wir den Abend auklingen.

Nach einer unwetterreichen Nacht nehmen wir ein letztes Mahl auf der Berliner Hütte ein und mach en uns gut gelaunt an den Abstieg.

Die vorhergesagte Kaltfront ist angekommen und hat bereits Spuren auf den Straßen hinterlassen.

Wir müssen auf der Rückfahrt eine Umleitung nehmen, da bereits einige Hänge abgerutscht sind.

Um bei Laune zu bleiben und unsere Energiereserven aufzufüllen legen wir in Achensee eine kleine Pause ein und gönnen uns ein Mittagessen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Tour auf die Zsigmondyspitze eine abwechselnde sich lohnende Unternehmung ist, die ein gutes Stück Kondition und starke Nerven erfordert.

Da die für Samstag Mittag vorhergesagten Unwetter erst am Abend eintrafen hätten wir theoretisch den Gipfel noch schaffen können. Aber jeder weis: soetwas ist im Nachhinein einfach gesagt. 

Der Abbruch der Tour war die richtige Entscheidung von Stephan gewesen.

Vielmals möchte ich mich bei unserem Tourenführer Stephan bedanken, der mir diesen tollen Einstieg in die Welt der Felshochtouren ermöglicht hat. 

Vielen Dank auch für die Blasenpflaster und die Sicherheit auf der Tour! Gerne jederzeit wieder.

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