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Großvenediger 3667 m von Süden

18.07.2017

Nachdem Xaver für die geplante Hochtour im Kaunertal keine Übernachtungsplätze mehr bekam, wurde als Ziel der vierthöchste Berg Österreichs, der Großvenediger, festgelegt. Da die Wetterprognosen sehr schlecht waren, musste der vereinbarte Termin abgesagt werden. Bei der kurzfristigen Verschiebung um eine Woche konnten dann leider nur die Hälfte der vorher angemeldeten Teilnehmer zusagen.

 

In Hinterbichl, bei Prägnaten im Virgental, angekommen, machten Xaver, Ludwig, Thomas und ich uns mit dem Venedigertaxi bequem auf zur Johannishütte. Von dort ging es nun auf schmalem und mitunter recht ausgewaschenem Pfad streng nach oben, begleitet von geschwätzigen Murmeltieren. Bald entschädigte jedoch die Aussicht auf die naheliegenden Gletscher die Mühen auf dem steinigen Moränenweg. Das Defreggerhaus auf 2964 m war unser Ziel für den ersten Tag. Nach einer Rast machten wir uns nachmittags auf zur „Wegbesichtigung“. Östlich vom Defreggerhaus leiten Steinmandl auf einem Pfad über plattige Felsen zum Anseilpunkt in 3100m Höhe auf dem Mullwitzaderl. Nach ein paar Metern bergab beginnt die Gletscherpassage, dort wollten wir am nächsten Tag mit den Steigeisen starten. Vorher war bei einer kleinen Gletschertour aber noch Üben und Lernen angesagt: gehen mit Steigeisen, in der Seilschaft, queren, sichern … Xaver hat uns alles notwendige nochmal gezeigt und erklärt. Wir waren so eifrig, dass bei unserer Rückkehr schon gleich das schmackhafte Essen serviert wurde. Trotz der gewonnenen Sicherheit, ließ sich ein wenig Aufregung vor dem anstehenden Abenteuer nicht vermeiden.

 

Ludwig war leider gesundheitlich angeschlagen und blieb am nächsten Tag schweren Herzens am Anseilpunkt zurück, so starteten wir mit einer 3er-Seilschaft.


Es war ein perfekter Tag mit blauem Himmel. In der vorherigen Schlechtwetterwoche hatte es geschneit, die Route auf dem Gletscher war gespurt und dennoch waren einige Spalten sichtbar. Die Größten ließen wir rechts liegen und bewegten uns im Zickzack die etwas steileren Passagen nach oben.  Da mehrere Seilschaften vor uns aufgebrochen waren und den direkten Weg auf den Großvenediger nahmen, bestiegen wir als erstes den Nachbar, das hohe Aderl (3504 m), über leichtes Blockwerk – mit Steigeisen durchaus gewöhnungsbedürftig - dafür mit wunderbarem Blick auf den Hauptgipfel.

Juhu, mein erster Dreitausender ist geschafft!!

Von dort erreichten wir durch teilweise tiefen Schnee  den Gipfelhang. Es galt eine recht luftige und windausgesetzte Querung zu überstehen, also – Klamotten an.  Kurz darauf stand er vor uns – der berühmte  Venedigergipfel. Der schmale Übergang wurde durch eine gute Schneeauflage entschärft und war gut zu bewältigen.

Xavers Rechnung ging auf: als wir drei, den nun von Wolkenschleiern umspielten Gipfel, mit der immer noch unbeschreiblichen Aussicht nach allen Seiten, erreichten, war nur noch eine kleine Gruppe Bergsteiger am Gipfel.  Diese hielten für uns dann auch den Augenblick des absoluten Hochgefühls mit dem unverzichtbaren Gipfelfoto fest. Weil es ziemlich windig war, traten wir nach kurzer Zeit wieder den Rückweg über den schmalen Grat an.

 

Xaver stellte am Vorabend die Begehung der, mir bis dahin unbekannten, "Venedigerkrone" in den Raum. Den vereinzelten Spuren nach, mussten den Weg schon Gipfelsammler  genommen haben, aber heute war weit und breit niemand zu sehen. Da sämtliche Bedingungen – Wetter, Zeit, Schneeverhältnisse, Kondition, Motivation passten, mussten wir beim Rundblick auf die umliegenden Dreitausender nicht lange überlegen und verließen den direkten Abstiegsweg und waren ab nun allein unterwegs.

 

Ein etwas steilerer Eis- und Schotteranstieg führte uns aufs  Rainerhorn (3559m). Erstmals änderten wir aufgrund der Verhältnisse unsere Seilschaft und bestiegen, gesichert am langen Seil, den Gipfel. Der Abstieg in die Scharte Richtung Schwarze Wand (3506m) war sehr steil, bei den guten Schneebedingungen aber unproblematisch. Der Anstieg zum Gipfel erfolgte teilweise auf Schnee, überwiegend aber über einen Blockgrat.

Nach einer weiteren Gletscherquerung und zum Schluss über  steile plattige Trümmerfelder, die die Klimaerwärmung vom Eis befreit hatte, erklommen wir den letzten Zacken der sogenannten Venedigerkrone, den Hohen Zaun (3451m).

 

Toll  –  5 Dreitausender an einem Tag, ca. 1200 Hm in 8 Stunden!!!

Beim Abstieg, kurz vor der Hütte, kommt uns, sichtlich erholt, Ludwig entgegen. Gemeinsam kehren wir zurück zum Defreggerhaus und lassen den beeindruckenden Tag Revue passieren.

 

In 4er-Seilschaft ging's am Dienstag über das Äußere Mullwitzkees und das  schroffe Zettalunitzkees auf das Wallhorntörl (3.045 m).  Die  Wegsuche, zunächst unweit vom Defreggerhaus durch wüste Moränenkraterlandschaft, dann über harschiges Eis, mit Wasser unterspült, forderte unsere ganze Aufmerksamkeit.

 

Der abschließende Firn- und Eishang zur Scharte wurde immer steiler. Wir lösten die Seilschaft auf und gingen einzeln. Tritte konnten gut mit den Steigeisen geschlagen werden. Der Übergang vom Eis zum Fels war übelst, brüchiger Schiefer vermengt mit Erde. Hier herrschte absolute Steinschlaggefahr. Mit Hilfe eines bereits fixierten Stahlseils, an dem wir uns mit der Bandschlinge sicherten, konnte man weiter aufsteigen. Für mich war dieser Abschnitt der spektakulärste der Tour.

 

Glücklicherweise dauerte der gefährliche Anstieg nicht lange. Oben angekommen konnten wir unsere Gletscherausrüstung einpacken und den Blick zurück auf die imposante, zurückgelegte Strecke werfen. Weiter ging's inmitten einer wilden, rauen und einsamen Landschaft hinab zur Eisseehütte (2521 m). Dort ließen wir uns die traditionelle Hausmannskost schmecken und stärkten uns für den schweißtreibenden, langen Abstieg zum Parkplatz Hinterbichl.

 

Nach einer kleinen Stärkung traten wir in Xavers Sharan die Heimfahrt an. Kaum auf der Felbertauernstraße, ging ein sehr starkes Gewitter nieder – perfektes Timing. Nahezu in Rekordzeit erreichten wir Neuburg.

 

 

Fazit: ideales Wetter, gute Bedingungen und dennoch (weil Samstag/Sonntag vermieden) kein Massenansturm - ein perfektes Bergerlebnis!

 

Carola Stöckl

kraterlandschaft-bei-der-gletscherquerung.jpgziel-erreicht-grossvenediger-3667-m.jpgubergang-vom-rainerhorn-zum-schwarzhorn.jpgbeginn-der-gletschertour-am-mullwitzaderl.jpgder-luftige-grat-zum-venedigergipfel.jpgam-wallhorntorl.jpgbeim-spaltenreichen-gletscheranstieg.jpgaussicht-bis-zu-den-dolomiten-vom-hohen-aderl.jpg