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Herbstradtour im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Österreich

29.09.2017

Alle sieben Teilnehmer der diesjährigen Herbstradtour waren so rechtzeitig auf dem Gelände des Donauruderclubs eingetroffen und hatten die Räder so schnell auf den Anhänger geladen, dass alle, als die Glocken von Heilig Geist um 6:00 Uhr läuteten, bereits im Bus saßen. Zügig und sicher chauffierte uns Ludwig Keim zum Ausgangspunkt unserer Tour, zum bekannten Parkplatz in Altreichenau beim Loipenstüberl. Auf dem Adalbert Stifter Geh- und Radweg, der alten Bahntrasse, ging es über Frauenberg nach Haidmühle.  Kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze biegen wir bei Nové Údolí (Neuthal) von der uns schon von der letztjährigen Tour her bekannten Strecke in Richtung Schwarzenberg'scher Schwemmkanal, ab. Da auf den nächsten drei km bis zum Rosenauer Denkmal 120 Höhenmeter zu überwinden sind, haben wir kräftig in die Pedale zu steigen. An diesem Josef Rosenauer Denkmal machen wir eine kurze Pause. Auf der Inschrifttafel des Denkmals steht: "Dem Andenken des geistvollen Schöpfer:s des Schwarzenberg-Kanales Josef Rosenauer, Fürst Schwarzenberg'schen Ingenieurs und Schwemmdirektors". 

Da wir an diesem Denkmal unsere "Reisehöhe" erreicht haben, geht es von nun an ohne große Höhenunterschiede am Kanal entlang. Nach 45 Minuten erreichen wir das obere Tunnelportal. Hier verläuft der Kanal in einem 397 m langen Tunnel, der ursprünglich 419 m lang war, doch wegen des Triftens von Langholz auf die heutige Länge gekürzt werden musste. Kurz nach 12:00 Uhr machen wir in Jelení (Hirschbergen) für 1 Stunde Mittagspause. Der weitere Weg führt uns an Glöckelberg vorbei, hier haben  1990-1992 die ehemaligen Bewohner von Glöckelberg, Josefsthal und Hüttenhofen sowie Freunde des Böhmerwaldes mit Unterstützung tschechischer Behörden die verwüstete Kirche wiederhergestellt und den eingeebneten Friedhof zu einer würdigen Stätte gestaltet. Wir fahren weiter bis zur Kreuzung des Kanals mit dem Igelbach, wo wir eine kurze Pause einlegen, um die Informationstafeln zu studieren. Wir erfahren so, dass der Schwemmkanal insgesamt 27 Bäche kreuzt wovon der Igelbach im Einzugsgebiet von Moldau bzw. Elbe der erste ist. Auch den genauen Baubeginn des Kanals wissen wir nun; denn in seinem Bericht vom 28. April 1789 kündigt Ingenieur Josef Rosenauer dem Fürsten Schwarzenberg den Baubeginn des Schwemmkanals an mit Folgenden Zeilen: "Da der Schnee im Revier St. Thoma bereits geschmolzen, werde ich am 4. May 1789 mit 80 Personen den Anfang machen“. 

Mit diesem ersten Abschnitt vom Igelbach bis zum Rosenhügel (994 Klafter entsprechen 1,885 km) bewies Josef Rosenauer, dass die europäische Hauptwasserscheide mit dem Schwemmkanal überwindbar ist, man  konnte nun Holz aus den böhmischen Wäldern sowohl zur Elbe, als auch zur Donau schwemmen.  Von Glöckelberg bis hierher verläuft  die Strecke hauptsächlich auf österreichischem Boden. Man erkennt nicht wo man jeweils die Grenze überschreitet, so sehr ist inzwischen die gesamte Gegend zu einer einheitlichen Erholungs- und Freizeitregion geworden. 

Nach weiteren 2 km erreichen wir die Straßenkreuzung bei Koranda am Rosenhügel 6 km unterhalb von  Svatý Tomáš  (St.Thomas). 

Da es schon 3/4 3:00 Uhr ist und wir noch 13 km bis zu unserer Unterkunft in Schlägl, in der wir um halb 5:00 Uhr sein soll, haben, entschließen wir uns nicht mehr nach St. Thomas und zur Ruine Wittinghausen (sie war Ausgangspunkt für Stiftes Roman Witiko) hinaufzufahren. Da es zudem ein wenig zu tröpfeln anfängt, fällt uns diese Entscheidung nicht schwer. Die Kirche von St. Thomas ist die zweite von vier von Heimatvertriebenen wieder restaurierten Kirchen im südböhmischen Grenzland. Die beiden weiteren Kirchen sind Zettwing (Cetviny) und der bekannte Wallfahrtsort Maria Schnee beim Hl. Stein (Svatý Kámen).

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft, dem Seminarzentrum im Stift Schlägl, machen wir noch bei St. Oswald einen Abstecher nach Morau, um dort die Steilstufe des Schwarzenberg'schen Schwemmkanals, in der das Wasser mit 16 % Gefälle zu Tale rauscht, zu besichtigen. Von Morau geht es fast nur noch bergab bis zum Stift Schlägl, wo wir noch rechtzeitig gegen 16:45 Uhr eintreffen. Wir haben heute insgesamt 72 km zurückgelegt, dabei ging es 44,5 km am 52 km langen Schwarzenberg'schen Schwemmkanal entlang und haben dabei insgesamt an die 350 Höhenmeter geschafft. Gemeinsam genießen wir im Stiftskeller das gute Abendessen und das süffige Bier. Da wir alle heute schon sehr früh aufgestanden sind und einiges geleistet haben, wird der Abend nicht sehr lange, sondern wir gehen alle früh zu Bett. Gut ausgeruht starten wir mit einem reichlichen Frühstück in den neuen Tag.

Der Abt des Stiftes Prälat Martin Felhofer kommt in den Frühstücksraum und begrüßt uns alle persönlich mit Handschlag und erkundigt sich über unser Tagesvorhaben, worüber ihm Hermann genauestens Auskunft gibt.

Heute geht es auf dem Mühltalradweg hinunter zu Donau. Punkt 9:00 Uhr brechen wir ohne großes Gepäck zu unserer Tagestour auf. Von Schlägl aus geht es aber zunächst in Richtung Rohrbach 7 km bergauf. In Berg bei Rohrbach machen wir am Bahnhof halt, um die alte Mühkreisbahn-Lok anzuschauen und zu fotografieren. Von hier geht es dann 20 km weit in rasanter Fahrt bis  Obermühl an der Donau bergab. Der Mühltalradweg ist kein ausgebauter Radweg, sondern er verläuft auf den öffentlichen Straßen und daher ist der Verkehr auch sehr dicht. Erst auf den letzten 9 km, ab der Ortschaft Hühnergeschrei entlang der Kleinen Mühl gibt es kaum Verkehr. Kurz vor 10:30 Uhr sind wir in Obermühl an der Donau und setzen hier auf das andere Donauufer mit der Fähre für 2,50 € pro Person über, um auf der anderen Donauseite dem Donauradweg 37 km weit bis nach Wilhering zu folgen. Auf halber Strecke machen wir gegenüber vom Schloss Neuhaus eine kurze Pause und kommen dann um 13:15 Uhr  beim Stift Wilhering an. Hier besichtigen wir die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt, sie ist einer der bedeutendsten Bauten des Rokoko im deutschen Sprachraum. Der Hochaltar, der die Krönung Mariens zeigt, und auch alle übrigen Altarbilder stammen von Martino Altomonte. Die Deckenfresken wurden von seinem Sohn Bartholomeo Altomonte gefertigt. Das Hauptfresko zeigt Maria als Himmelskönigin umgeben von Heiligen, die in besonderer Beziehung zu Wilhering und zu den Zisterziensern stehen. Anschließend gehen wir noch durch den Stiftspark, der ein unverfälscht erhaltener Biedermeiergarten ist. Einige seiner Bäume stehen unter Naturschutz so zum Beispiel der mächtige Tulpenbaum oder eine Eibe, die so alt wie das Stift selbst sein soll. Wir fahren zur Fähre hinunter und mit ihr nach Ottensheim hinüber. Da der Einzelpreis pro Fahrradfahrer 3,20 € kostet, bei Gruppen ab zehn Personen aber nur 2,30 €, sprechen wir noch andere Radfahrer an und bilden so eine Zehnergruppe. Auf dem Marktplatz in Ottensheim stärken wir uns bei herrlichem Sonnenschein mit Kaffee und Kuchen und fahren dann um 15:42 Uhr mit dem Zug zurück nach Schlägl. Da der Zug nur aus einem Großraumwagen bestand, war es mit unseren Fahrrädern äußerst eng und beim Aussteigen in Schlägl, wo wir 1 Stunde später eintrafen, hatten wir einige Mühe beim Ausladen der Räder. Nach der heute zurückgelegten 69 km langen Fahrstrecke und den überwunden 300 Höhenmetern war der Aufenthalt am Abend im Bräustüberl wieder sehr erholsam und ein Genuss. Nach einem guten Frühstück und der Verabschiedung durch den Abt, der uns auch heute wiederum während des Frühstücks besuchte, machen wir uns um Punkt 9:00 Uhr auf den Rückweg nach Altreichenau. Über Aigen, Ulrichsberg, Klaffer am Hochficht und Schwarzenberg am Böhmerwald geht es 22 km fast ständig bergauf bis Oberschwarzenberg, wobei der letzte Anstieg von ca. 3 km besonders steil ist. 2 km hinter Oberschwarzenberg befinden wir uns bereits an der Grenze zu Deutschland. An dem großen Parkplatz hört jedoch die asphaltierte Straße auf und wir müssen über moosbewachsene Granitblöcke unsere Fahrräder circa 300 m weit mühsam schieben bis wir auf deutscher Seite wieder auf einen sehr gut angelegten Forstweg kommen. Dieser Forstweg verläuft über der Linie der vor dem ersten Weltkrieg geplanten Eisenbahnverbindung zwischen Altreichenau über Schwarzenberg nach Aigen. Wegen der Kriegswirren und der Wirtschaftskrise kam das Projekt über das Anlegen der Trasse nicht hinaus. Es geht nun auf diesem Forstweg bei gleichmäßigem Gefälle 7km weit bergab, bis wir bei Frauenberg wieder auf den Adalbert Stifter-Radweg kommen und auf ihm legen wir die letzten 3 km bergab bis zum Parkplatz in Altreichenau zurück. Nach 33 km Fahrt und 550 überwunden Höhenmetern kommen wir um 11:30 Uhr am Parkplatz beim Loipenstüberl an. Schnell sind die Räder im Hänger und das Gepäck im Bus verstaut und schon sitzen wir um 12:00 Uhr im Loipenstüberl beim Mittagessen. Um 13:00 Uhr geht es dann wieder mit dem Bus in Richtung Heimat, wo wir um 16:30 Uhr wohlbehalten im Ruderclub Gelände angekommen. 

Friedrich Pochlatko