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Olperer Nord- und Riepengrat Überschreitung

09.07.2017

Bei der Planung der Tour fiel mir nicht auf, dass 2017 das Jubiläumsjahr zur Erstbesteigung des Olperer ist. Vor   150 Jahren  bestiegen die  Alpinpioniere Paul Grohmann, Georg Samer und Jakob Huber erstmals am 10. Sept. 1867 den Olperer über den Riepengrat  (Normalweg).

Für unser Vorhaben am zweiten Juli-Wochenende entschieden wir uns,  den etwas schwereren Nordgrat zu überschreiten.  Die Olperer Hütte ist vom Schlegeisspeicher, am Ende des Zillertales, in ca. 1,5 h zu Fuß erreichbar. Die kürzlich erst renovierte Berghütte  wird von Katherina und Manuel Daum mit viel Liebe und Herzblut bewirtschaftet. Norbert und ich staunen, als wir bei der Ankunft auf der Terrasse von einem Hühnerhaufen umgackert werden. Irgendwie denke ich an unseren Sektionsstammtisch.  In Hüttennähe grasen friedlich Ziegen und Schafe, sogar ein paar Hunde umkreisen uns. Jetzt fehlt nur noch die Hüttenkatze. Kinder-und tierfreundlich wird hier unter dem Motto „Hier schmecken die Berge“ regional und frisch aufgekocht. Zum Abendessen gibt’s ofenfrischen Schweinebraten, ein kulinarischer Genuss.

Bei Hochtouren im Gebirge entscheidet in der Regel das Wetter,  ob eine Tour stattfindet und sicher gelingt. Für den Sonntag meldete der Wetterbericht ab dem frühen Nachmittag  evtl. Störungen und Gewitter. Norbert und ich beschließen deshalb, bereits um 04.00 Uhr morgens aufzubrechen. Dies würde uns auf alle Fälle einen entscheidenden Zeitvorteil und Sicherheit geben. Die  angegebenen Zeiten  in den  Beschreibungen konnten nicht unterschiedlicher sein. Zwischen 6 und 10 Stunden war alles dabei. Der Aufwand für die Sicherung ist entscheidend, denn  jedes Manöver erfordert Zeit. Dafür sind für den Nordgrat 1–3 h angegeben. Wir haben Glück und sind im Winterraum mit zwei jungen Frauen untergebracht.  Für diese war die „Abholzung des Kongo“ in der Nacht der reinste Horror. Die bösen Blicke am Morgen haben wir „Schnarcher“ uns erspart, denn um halb 4 Uhr frühstückten wir bereits. 

Im Mondschein und  mit Stirnlampen brechen wir um 04.00 Uhr Richtung Olperer auf. Den Aufstiegsweg hatten wir uns am Vortag genauestens angeschaut. Bei der Besteigung des Riepenkopf (2905m) konnten wir einen möglichen Zustieg zum  Riepensattel  gut erkennen.  Es empfiehlt sich immer die Tour am Vortag zu erkunden, dann gibt’s  zumindest beim Start keine bösen  Überraschungen. Bei einem Plateau in ca. 2850 m Höhe verlassen wir den markierten Steig und suchen uns den Weg durch Blockgelände, bis zu einem kleinen Firnfeld. An geeigneter Stelle legen wir unsere Gurte und Steigeisen an und steigen das steiler werdende Firnfeld bis zum Sattel hoch. Hier beginnt das Hintertuxer Skigebiet,  wo zum Glück  um diese Zeit kein Mensch zu sehen ist.  Angeseilt gehen wir parallel zur planierten Piste Richtung Wildlahnerscharte (3250m).  Je nach Verhältnissen sucht man an geeigneter Stelle einen Übergang vom 35° steilen Firnfeld des Olpererferners  zum felsigen Nordgrat. In bestem plattigen Granit klettern wir den  Grat in 2:45 h hoch. Die Schwierigkeiten hierbei  meistens im II. Grad, ein kurzer Felsaufschwung dürfte III A0 sein. Viele Stellen im Fels sind mit Klammern bespickt, die sich perfekt zum Sichern eignen. Wer die ganzen Eisen da reingebohrt hatte, konnte uns nicht einmal ein einheimischer Bergführer sagen, der kurz nach uns mit seiner Kundschaft am Gipfel ankam. Irgendwo am Horizont plötzliches Donnergrollen und bei uns läuten gleich die Alarmglocken. Aktuell sieht die Wolkenbildung am Himmel bei uns noch sehr gut aus.  Im ersten Moment erschrickt man jedoch. Nach einer kurzen Gipfelrast steigen wir rasch und seilfrei  am Riepengrat ab. Kurz unterhalb des Gipfelkreuzes versperrt  ein Block den Grat. Dann erkennen wir, das Hindernis kann  links umgangen werden. Der weitere Abstieg erfordert nochmal vollste Konzentration, der Grat ist herrlich schön ausgesetzt, ein Fehltritt oder ein falscher Griff könnte der letzte gewesen sein. Am Ende des Riepengrates ist die Route gut mit Stoamandl versehen, man erreicht bald durchs  Blockgelände  wieder den markierten Normalweg. Kurz vor der Hütte freut sich Norbert  über eine Herde Schafe und hockt sich mitten rein.  Ich muss lachen, der 1. Vorstand und seine Sektionsherde, das obligatorische schwarze Schaf trottet auch gleich ums Eck. Wer könnte das wohl sein?  Bei noch akzeptablem Wetter erreichen wir nach 9 Stunden wieder die Hütte und trinken erstmal einen kräftigen Schluck Radler.

Am Abend feiern wir unseren Gipfeltag mit einer guten Flasche Wein und „an kloan Stamperl  Meisterwurz“ , vom Vater der Wirtin selbstgebrannt. „Sauguad is des Wasser“,  mit Gitarrenmusik feiern wir bis zur Hüttenruhe.  Das  Schlechtwetter hat mittlerweile die Hütte erreicht, draußen regnet es wie aus Kübeln. Gut ausgeschlafen steigen wir am nächsten Morgen ab und fahren glücklich wieder in die Heimat.

 

Bergheil  Stephan Thalmayr

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