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Transalp mit dem Rennrad

24.08.2019 - 01.09.2019

Kurz vor meinem geplanten Urlaub rief mich Norbert an und fragte mich, ob ich als Gastradler die Tour zum Gardasee mitfahren möchte, da noch ein fünfter Radler fehle. Nach kurzer Überlegung verlängerte ich meinen Urlaub und sagte zu. Treffpunkt für die Tour war bei Norbert in Oberhausen; Abfahrt am Freitag Nachmittag gegen 17.00 Uhr nach Nesselwang ins Explorer-Hotel. Beim Abendessen wurde dann die Tour besprochen.

1. Etappe

Wir brachen am Samstag zeitig 8:55 Uhr auf. Es lagen ja doch gleich 105 km und ca. 2.100 hm vor uns. Vom Hotel in Nesselwang aus ging es los über Nebenstraßen und geteerte Radwege zum ersten kleinen Anstieg, dem Oberjochpass. Weiter ging es durch das Tannheimer Tal auf der schnellen Abfahrt vom Gaichtpass nach Weißenbach am Lech. Dort passierte es: Norbert wurde von einem unbekannten Flugobjekt im Gesicht getroffen und es stach ihn gleich beim Aufprall auch noch in die Unterlippe, die auch gleich anschwoll. In Weißenbach machten wir erst mal Pause und Norbert kühlte die Schwellung erst mal mit einem Eis. Weiter ging es dann auf einem wunderschönen Radweg am Lech entlang um Café Treibholz zur Mittagspause. Nachdem die Schwellung an Norberts Lippe jetzt doch langsam zurückging, nahmen wir bei strahlendem Sonnenschein das 1894 Meter hohe Hahntennjoch in Angriff, das uns auch gleich mit Rampen bis zu 15 % Steigung einiges abverlangte. Dieter, der heute den Bus fuhr, versorgte uns mit Wasser und Müsli-Riegeln bestens. Nach einer langen und schnellen Abfahrt nach Imst wurden die Bremsen bei Simone immer schwächer, und wir mussten nochmals eine Pause machen. Paul konnte die abgefahrenen Bremsklötze nochmals nachstellen, so dass wir zum Explorer Hotel nach Umhausen im Ötztal weiterfahren konnten. Nach einem langen ereignisreichen ersten Tag kamen wir nach sechs Stunden reiner Fahrtzeit und 112 km um 18.00 Uhr im Hotel an und hatten uns das „Ankommer-Bier“ redlich verdient.

2. Etappe

Nach einem guten Frühstück fuhren wir kurz vor 9.00 Uhr bei gutem Wetter los. Paul hatte gestern Abend noch Simones Bremsklötze getauscht, somit war ihr Rad für die Weiterfahrt gerüstet. Wir fuhren das Ötztal entlang nach Sölden. In Zwieselstein machten wir eine Kaffeepause und trafen unseren zweiten Busfahrer Norbert. Norbert hatte einen geschwächten Wanderer aufgegabelt, der sich übernommen hatte und nahm ihn mit auf das Timmelsjoch. Wir radelten weiter über Hochgurgl hinauf zum 2474 Meter hohen Timmelsjoch. Nach der Mautstelle kam eine kurze Abfahrt und dann begann der relativ gerade verlaufende, steile Anstieg zum Timmelsjoch, der uns ganz schön ins Schwitzen brachte. Oben angekommen stärkten wir uns erst mal mit Essen und Getränken am Bus. Zu den geschwächten Wanderer kamen jetzt auch noch zwei Frankfurter Mädels dazu, die Norbert auch noch mitnahm und in Meran absetzte. Wir Radler wurden durch eine sehr lange, schöne Abfahrt für unsere Mühen belohnt. Im warmen Meran angekommen suchten wir die Pension, die Norbert in Algund gebucht hatte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fanden wir die Pension am Berg oben, über Meran, was nicht bei allen Radlern gut ankam. Aber dafür spendierte Norbert die erste Runde Getränke für alle.

3. Etappe

Nach zwei anstrengenden Tagen hatten wir heute eine vermeintlich leichtere Tour mit 62 km und ca. 1.200 Hm. Bei sehr warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit machten wir uns gegen 9:30 Uhr auf den Radlweg. An der Etsch entlang durch das Vinschgau nach Schlanders. Dort wartete bereits Paul mit dem Bus auf uns. Nach einer Kaffeepause fuhren wir weiter über eine hohe Panoramastraße nach Prad, wo wir gegen 15:00 Uhr ankamen. Jetzt konnten wir uns in Ruhe auf die Königsetappe am nächsten Tag vorbereiten.

4. Etappe

Bei der vierten Etappe ging es auf die Königin der Passstraßen, dem Stilfser-Joch. Von Prad aus starteten wir bei schönstem Sonnenschein um 9:00 Uhr. Es lagen 26 km, 48 Kehren und 1.850 Hm bis zur Passhöhe vor uns. Simone fuhr heute den Bus und versorgte uns bestens. Das tolle Wetter motivierte uns zusätzlich und wir alle kamen gut voran. Die erste längere Pause machten wir auf der Franzenshöhe. Dann ging es nur noch gleichmäßig steil nach oben bis zu Passhöhe. Oben herrschte Jahrmarktsstimmung. Nach einer längeren Pause genossen wir bei warmen Wetter die lange Abfahrt nach Bormio, wo Simone schon in der Unterkunft auf uns wartete. Auf der sonnigen Terrasse stillten wir erst einmal unseren Durst.

5. Etappe

Heute durfte ich eine Pause machen und den Bus fahren. Nach dem wir alle Dieter zum Geburtstag gratuliert haben, fuhren wir los von Bormio über den Mortirolo Pass nach Edolo. Das Wetter war wieder mal schön und so kurbelten die vier nach ca. 20 km Flachetappe in Crosio den Berg hinauf. Die Straße war teilweise sehr eng mit vielen engen Kehren und steilen Rampe, da ist Kondition und Kraft gefragt. Ich versuchte so gut es gut voraus zu fahren und die vier mit Getränken zu versorgen. Obwohl Dieter heute ein Jahr älter geworden war, kam er trotzdem wieder mal als erster oben an! Auf der Passhöhe stand heute sogar ein Container mit einer Toilette und einer E-Lade-Station. Auf der Abfahrt nach Edolo legten wir eine Cappuccino Pause ein. Dann ging es weiter zum Hotel. Nach dem Duschen hat uns Dieter noch in eine Bar eingeladen, wo wir nochmals auf seinen Geburtstag anstießen. Und jetzt erlebten wir auch mal einen längeren Gewitterschauer!

6. Etappe

Am Abend zuvor wurden die Busfahrer für heute und morgen ausgelost, nachdem sich keiner freiwillig gemeldet hatte. Für heute hatte es Paul erwischt und morgen fährt Dieter den Bus. Heute stand der letzte Berg an der Coletto di Gaver mit insgesamt 1.900 Hm auf dem Programm. Von Edolo aus ging es erst mal flott ca. 30 km flussabwärts nach Breno. Nach der Abzweigung im Ort ging es gleich steil bergauf. Jetzt begann der lange und abwechslungsreiche Aufstieg. Das warme Wetter machte es uns nicht gerade leichter, aber jeder kämpfte sich bergauf. Oben angekommen stärkten wir uns und machten uns für die Abfahrt bereit. Gewitterwolken zogen auf und Paul stand schon mit dem Bus parat. Aber alle wollen weiter fahren, ausgerüstet mit Regenklamotten. Wir hatten Glück und wurden nur ein bisschen nass. Paul hatte derweil schon ein schönes und sehr günstiges Hotel am Idrosee gefunden, wo wir nächtigten.

7. Etappe

Die letzte Etappe führte uns durch das sehr schöne Valle D'Ampola vom Idrosee zu unserem Endpunkt, dem Gardasee. Bei Sonnenschein starteten wir auf einem Radweg am Fuß entlang.Dieser mündete in die Hauptstraße. Hier begann der sehr moderate Anstieg, den wir gemütlich rauf fuhren. Dieter war mit dem Bus schon vorausgefahren nach Arco und kam uns mit dem Rad entgegen. Am Ledro-See trafen wir uns und konnten dann alle gemeinsam dem Gardasee entgegen fahren. Um 13:30 Uhr war das Ziel, Riva am Gardasee, erreicht und alle waren froh und glücklich, ohne eine größere Panne oder einem Sturz am Ende der Tour angekommen zu sein. Insgesamt haben wir ca. 500 km und knapp 11.000 Hm zurückgelegt.

Die Nacht verbrachten wir in Arco, mitten im Zentrum der Ortschaft, gegenüber der Kirche und dem Radlertreff, weil alles andere ausgebucht war. Nachtruhe herrschte hier allerdings erst gegen 2:00 Uhr. Am Sonntag traten wir in unserem Bus zeitig die Rückreise an, damit wir rechtzeitig zum Geburtstagstorte essen (einer Schwarzwälder-Kirsch Torte!) bei Dieter waren. Diese wurde von seiner Frau Lissi hervorragend gemacht.

Für mich als Gastradler in dieser Gruppe war es eine der schönsten Alpenüberquerungen, die ich bis jetzt gemacht habe. Vielen Dank an Paul und Dieter für die hervorragende Streckenplanung und die harmonische Stimmung in der Gruppe. Vielleicht ergibt sich mal wieder eine gemeinsame Tour.

Sigi Motzke

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